Bildschirmfreie Zeit im Familienalltag
Kaum ein Erziehungsthema beschäftigt Eltern so anhaltend wie der Umgang mit Bildschirmmedien. Wie viel ist zu viel? In unserer Beratung erleben wir: Es gibt keine allgemeingültige Antwort – wohl aber Orientierung.
Bildschirmmedien gehören heute zum Familienalltag. Schon kleine Kinder kommen mit ihnen in Berührung, oft bevor sie sprechen können. Aus der Forschung wissen wir, dass viel Bildschirmzeit die Entwicklung beeinträchtigen kann. Die Gründe liegen meist weniger im Gerät selbst als in dem, was verdrängt wird: Bewegung, Lernerfahrungen in der realen Welt, soziale Erlebnisse mit anderen Menschen. Daher gilt grundsätzlich als Empfehlung: je jünger das Kind, desto weniger Bildschirmzeit.
Das Marie Meierhofer Institut für das Kind hat in diesen Zusammenhang entwicklungsorientierte Empfehlungen veröffentlicht. Für Kinder bis rund eineinhalb Jahre empfiehlt es möglichst keine Bildschirmzeit, danach bis zum Schuleintritt weniger als eine Stunde pro Tag. Diese Richtlinien sind aber keine strikten Vorgaben, weil detaillierte Zeitangaben im Alltag schwer umsetzbar sind und Druck sowie Schuldgefühle erzeugen können.
HIer tut sich eine neue Welt auf: ein Kind am Tablet.
Was Bildschirme auch können
Diese Sicht deckt sich mit unserer Erfahrung in der Beratung. Bildschirmmedien zu verteufeln, führt selten weiter. Entscheidend ist, sie im Familienalltag zu begleiten und den Nutzen zu hinterfragen: Wofür wird das Gerät gerade eingesetzt und was tritt deswegen in den Hintergrund?
Denn Bildschirme können auch etwas ermöglichen. Sie erlauben den Kontakt zu Grosseltern oder Freunden über Distanz. Sie lassen sich spielerisch und kreativ nutzen, etwa wenn ein Kind mit dem Handy die Welt aus seiner Perspektive fotografiert oder eine Bewegung aus einem Video anschliessend im Spiel weitergeht. Und sie können Wortschatz und Wissen fördern, wenn Inhalte altersgerecht sind und Erwachsene mit dabei sind.
Was aus unserer Erfahrung oft hilft, sind gemeinsame Absprachen: bildschirmfreie Zeiten und Orte, die für alle in der Familie gelten – auch für die Erwachsenen. Beim Essen, in der Stunde vor dem Schlafen… solche Routinen geben Kindern Orientierung und Eltern Sicherheit.
Orientierung statt Schuldgefühle
Familien sind unterschiedlich. Eine alleinerziehende Mutter im Schichtdienst hat andere Möglichkeiten als ein Paar mit geteilter Betreuung. Deshalb beraten wir individuell, mit Verständnis für einen komplexen Alltag und verschiedene Bedürfnisse in einer Familie.
Quelle: Marie Meierhofer Institut für das Kind (2026): Entwicklungsorientierte Empfehlungen 1 – Bildschirmmedien in der Frühen Kindheit.