10 Jahre wellcome – das darf gefeiert werden
Jubiläumsanlass im Stadtsaal Lagerhaus
Mit rund 70 geladenen Gästen hat die Kinder- und Jugendhilfe St.Gallen am Donnerstagnachmittag im Stadtsaal Lagerhaus das zehnjährige Bestehen von «wellcome – Praktische Hilfe nach der Geburt» in der Schweiz gefeiert. Ein Nachmittag mit Grussworten, Fachreferaten, einem Podiumsgespräch mit Freiwilligen und Müttern sowie der Ehrung des Freiwilligen-Teams. Eine Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge und Wortmeldungen: Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut.
Ilsabe v. Campenhausen, Geschäftsführerin wellcome gGmbH, aus Hamburg
Dr. Claudius Luterbacher, Leiter Amt für Soziales, Kanton St. Gallen
Blick in die wellcome-Familie
Nach der Begrüssung durch Jana Schmidli, Geschäftsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe St.Gallen, würdigten Ilsabe von Campenhausen, Geschäftsführerin der wellcome gGmbH in Deutschland, und Claudius Luterbacher, Leiter des St.Galler Amts für Soziales, den Erfolg und das zehnjährige Bestehen des Angebots mit wertschätzenden Grussworten.
Prävention, die wirkt
In drei Fachreferaten wurde das Angebot gesellschaftlich eingeordnet. Jürg Engler, Fachstelle Psychische Gesundheit beim Kanton St.Gallen, betonte den präventiven Charakter: Die ersten Lebensjahre seien das wirksamste Feld der Prävention und Gesundheitsförderung. Studien belegten, dass jede Investition in frühe Unterstützung sich gesellschaftlich vielfach auszahle.
Marianne Steiner vom Institut Frühe Bildung 0 bis 8 der PH St.Gallen beschrieb, warum frühe Beziehungen das Fundament für ein Leben bilden. Ihr zentraler Appell: Nicht darauf warten, dass Familien Hilfe finden, sondern Unterstützung früh erkennen, zugänglich machen und passgenau begleiten.
Ueli Rickenbach, Projektleiter bei benevol St.Gallen, würdigte wellcome als Paradebeispiel dafür, was Freiwilligenarbeit bewirken kann. Und stellte klar: Freiwilligenarbeit sei unbezahlt, aber nicht kostenlos. Gute Freiwilligenarbeit brauche Struktur, Begleitung und bezahltes Fachpersonal, damit sie nachhaltig gelingen könne. Allein 2024 seien in der Schweiz 590 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit geleistet worden – ein Wert von dutzenden Milliarden, und sprichwörtlich «unbezahlbar».
Ueli Rickenback, benevol
Jürg Engler, Kanton St. Gallen
Der emotionale Höhepunkt: Begegnung auf dem Podium
Nach den Fachinputs folgte ein Podiumsgespräch mit drei wellcome-Freiwilligen und drei Müttern, moderiert von den Koordinatorinnen Angela Vesti und Patrizia Sutter. Ein besonderer Moment, als sich eine der Freiwilligen und eine der Mütter auf der Bühne wiedersahen – sie hatten vor einiger Zeit gemeinsam einige Monate verbracht. Was auf dem Podium zur Sprache kam, war ehrlich und berührend: tiefe Dankbarkeit, das Zulassen von Hilfe im entscheidenden Moment, die Erleichterung, nicht allein zu sein. Und immer wieder dieselbe Erkenntnis: Wenn Eltern Entlastung erfahren, kommt das direkt bei den Kindern an.
Ehrung der Freiwilligen
Zum Abschluss des Programms wurden die rund 20 anwesenden wellcome-Freiwilligen – stellvertretend für aktuell rund 80 aktiv Engagierte in den Kantonen St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden – auf die Bühne gerufen. Jede und jeder erhielt eine Geschenktasche mit Sachspenden regionaler und überregionaler Betriebe sowie eine persönliche Urkunde als Zeichen der Wertschätzung. Beim anschliessenden Apéro Riche tauschten sich die Gäste angeregt aus und konnten zwischendurch an Hörstationen Stimmen aus zehn Jahren wellcome anhören – ausgewählte Statements von Familien, Freiwilligen und Vernetzungspartnerinnen und -partnern. Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag vom Schweizer Duo rELSIG mit Barbara Gisler am Cello und David Elsig am Walliser Hackbrett.
Nachfrage steigt – Finanzierung bleibt die Herausforderung
Seit 2015 haben rund 650 Familien in den Kantonen St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden das Angebot genutzt. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – inzwischen übersteigt sie das verfügbare Angebot, sodass nicht jede Anfrage einer Familie vermittelt werden kann. Finanziert wird wellcome aktuell grösstenteils durch private und kirchliche Spenden. Für die kommenden Jahre wünscht sich die Kinder- und Jugendhilfe St.Gallen eine breitere und längerfristig gesicherte Trägerschaft, damit das Angebot auch bei weiter wachsender Nachfrage für alle anfragenden Familien zur Verfügung stehen kann.
Vielen Dank unseren Sponsoren